Fechten - Kampf oder Kunst ?

Auf Seite 34 finden Sie die Originalaussage des Maître Bac Tau. Tau ist viel in der Fechtwelt herumgekommen. Er lebt heute in Vancouver/Kanada und unterrichtet an 8 verschiedenen Einrichtungen Fechten.

„Fechten hat sich seit 1970 dramatisch verändert. Während es bis dahin eine Sportart war, die Technik, Finesse und Feinheiten betont hat, ist es jetzt eine extreme Sportart, die Aggressivität, Rohheit und Feindseligkeit fördert. Der Mangel an traditioneller Technik im modernen Fechten ist schimpflich, unziemlich und gefährlich. Es ist unangenehm, Zuschauer oder Kampfrichter zu sein, Fechter zu trainieren oder zu betreuen. Es ist, in einem Wort, eine Schande".

Dies ist der erste Teil der Antwort auf die Frage nach  Problemen im Fechtsport eines Fragebogens, den Prof. André Kuhn von der Universität in Lausanne verschickt hatte.

Ein weiteres Zitat aus dem Nachrichtenblatt der Akademie der Fechtkunst Österreichs vom September 1999 von Dipl.-Fechtmeister Dr. Herbert Laszlo mit dem Titel „Fecht-Kunst kontra Kopie":

„Nach den Regeln des internationalen Fechterverbandes F.I.E. werden Turniere gefochten, in denen die in der Fechtkunst ausgebildeten Fechterinnen und Fechter den Schüler unorthodoxer Meister unterliegen. Das ist eine Erfahrungstatsache, an der sich nichts wegdiskutieren läßt,  auch nicht mit historischen Argumenten." 

Weiter unten schreibt er:
„Wenn wir wieder Zuschauer haben wollen, dann müssen die Akademien der Fechtkunst eine neue Form von Wettbewerben ausschreiben, in denen ohne elektrische Trefferanzeige gefochten wird und in denen - nach Vorbild von Eiskunstlauf und Turnen - eine Jury die Kompliziertheit und Qualität der gezeigten Aktionen bewertet. Der Treffer selbst wäre dann nur mehr einer von vielen Punkten. Ein Passé oder Plaqué würde nur mehr mit einem Punkteabzug bestraft, genau so wie unkorrekte Beinstellung oder ein Angriff mit eingezogenem Arm. Dann können wir auch Publikum für die Fechtkunst zurückgewinnen, aber nicht über die F.I.E., sondern über die    A.A.I., den internationalen Verband der Fechtmeister."

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